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Schwerhörigkeit in Zahlen

Ungefähr 15 Millionen Menschen in Deutschland sind von Schwerhörigkeit betroffen. Laut wissenschaftlichen Studien sind leicht- und mittelgradige Fälle von Schwerhörigkeit am häufigsten.

Häufigkeit von Schwerhörigkeit in Deutschland (Prävalenz)

Mehrere wissenschaftliche Arbeiten setzten sich mit der Zahl der Betroffenen auseinander. Nach einer Studie des Mediziners Wolfgang Sohn (Universität Witten-Herdecke, 2000) sind 19 Prozent der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre hörbeeinträchtigt.

Der Grad der Hörbeeinträchtigung variiert in dieser Personengruppe wie folgt:

  • 56,5 % leichtgradig schwerhörig
  • 35,2 % mittelgradig schwerhörig
  •  7,2 % hochgradig schwerhörig
  •  1,6 % an Taubheit grenzend schwerhörig

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit von einer Hörbeeinträchtigungen betroffen zu sein:

  • 14 - 19 Jahre: 1 %
  • 20 - 29 Jahre: 2 %
  • 30 - 39 Jahre: 5 %
  • 40 - 49 Jahre: 6 %
  • 50 - 59 Jahre: 25 %
  • 60 - 69 Jahre: 37 %
  • 70 Jahre und älter: 54 %

(alle Angaben zitiert nach dem Deutschen Schwerhörigenbund e.V.)

Durch das Auslaufen vorruhestandsähnlicher Regelungen und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit wird es in Unternehmen eine zunehmende Zahl von älteren Arbeitnehmern geben. Die demografische Entwicklung wird diese Tendenz in Zukunft noch verstärken. Damit wird Schwerhörigkeit in Zukunft auch Unternehmen immer häufiger betreffen.

Einteilung der Hörschädigung

Im klinischen Gebrauch ist vor allem die Einteilung nach dem Schweregrad der Hörschädigung gängig, die sich von den Messergebnissen des Hörtests ableitet. Im Audiogramm wird ersichtlich, wie sehr ein Ton verstärkt werden muss, damit er von einer Person wahrgenommen werden kann. Um den Grad der Hörschädigung zu bestimmen, wird ein Durchschnittswert dieser Messwerte gebildet. Hierbei werden die für das Sprachverstehen wichtigen Frequenzen berücksichtigt und die Verstärkungsleistung gemittelt. Der durchschnittliche Grad der Hörschädigung wird dann in Dezibel angegeben.

Einteilung der European Working Group on Genetics of Hearing Impairment von 1996:

Grad der HörschädigungDezibel
Keine Hörschädigung ≤ 20 dB
Geringgradige Hörschädigung 21 - 39 dB
Mittelgradige Hörschädigung 40 - 69 dB
Hochgradige Hörschädigung 70 - 94 dB
An Taubheit grenzende Hörschädigung ≥ 95 dB

Einteilung der World Health Organization (WHO) von 2001:

Grad der HörschädigungDezibel
Keine Beeinträchtigung ≤ 25 dB
Geringe Beeinträchtigung 26 - 40 dB
Mittlere Beeinträchtigung 41 - 60 dB
Starke Beeinträchtigung 61 - 80 dB
Hochgradige Beeinträchtigung ≥ 81 dB

Ermittlung des Grades der Behinderung (GdB) bzw. der Schädigungsfolgen (GdS) bei Hörverlust

Gesetzliche Grundlage der Ermittlung des GdB/GdS sind die Grundsätze der Versorgungsmedizin-Verordnung von 2009. Maßgebend für die Berechnung ist die Herabsetzung des Sprachgehörs, also der Hörverlust in Prozent.

SchwerhörigkeitsgradHörverlust in %GdS/GdB bei beidseitigem HörverlustGdS/GdB bei nur einseitigem Hörverlust*
Normalhörig 0-20 0 0
Geringgradig 20-40 10-20 0
Mittelgradig 40-60 30 10
Hochgradig 60-80 50 10
An Taubheit grenzend 80-95 70 10-20
Taubheit 100 80 20

* Bei zusätzlichem Hörverlust des 2. Ohres erhöht sich der in dieser Spalte jeweils stehende GdS/GdB, bleibt aber stets unter dem für gleichen beidseitigen Hörverlust ausgewiesenen GdS/GdB.
Quelle: „Die Schwerbehindertenvertretung“ 07/2014 (Autor: Dr. Hans-Günther Ritz)

Berufskrankheit Lärmschwerhörigkeit

2009 gab es 10.816 Verdachtsmeldungen auf Lärmschwerhörigkeit bei den zuständigen Stellen. In 5.379 Fällen erfolgte eine Anerkennung als Berufskrankheit. Damit hält Lärmschwerhörigkeit – wie auch schon in den Jahrzehnten davor – den Spitzenplatz bei den anerkannten Berufskrankheiten. Besonders häufig betroffen sind Arbeitnehmer aus der Metall- und der Baubranche. Das häufige Vorkommen von Lärmschwerhörigkeit in diesen Branchen erklärt auch, warum wesentlich mehr Männer von Lärmschwerhörigkeit betroffen sind als Frauen.

Schwerhörigkeit und Hörgeräte

In Deutschland besitzen etwa 2,5 Millionen Personen ein Hörgerät. Von den etwa 6 - 7 Millionen mittel- bis hochgradig schwerhörigen Menschen sind damit weniger als 50 % mit Hörgeräten versorgt.

Cochlea-Implantat-Versorgung

Weltweit nimmt die Versorgung mit Cochlea-Implantaten (CI) zu. Diese Technologie ermöglicht es hochgradig hörgeschädigten und postlingual ertaubten Menschen, Lautsprache wieder wahrzunehmen. Auch bei Kindern wird die Technologie verstärkt eingesetzt. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 2.000 Kinder und Erwachsene neu mit CIs versorgt.