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Die Funktionsweise

Seit Ende der 90er-Jahre gibt es volldigitale Hörgeräte. Ihre Nutzung hat sich seit einigen Jahren stark verbreitet. Im Gegensatz zur analogen Technologie erfolgen bei diesen Geräten die Signalverarbeitung und die Programmierung des Hörgerätes digital. Durch die digitale Signalverarbeitung können Hörgeräte den jeweiligen Hörverlust in unterschiedlichen Frequenzbereichen genauer und gezielter kompensieren.

Jedes Hörgerät besteht aus drei Komponenten: Ein oder auch mehrere Mikrofone pro Hörsystem nehmen den Schall auf und wandeln das analoge Eingangssignal in ein digitales Signal um. Über einen Digitalprozessor wird der Schall dann verarbeitet und verstärkt. Schließlich überträgt ein Lautsprecher den verstärkten Schall über ein individuelles Ohrpassstück in den Gehörgang und somit  an das Trommelfell.

Hörsysteme arbeiten mit kleinen Batterien, die je nach Gerät und Verstärkungsbedarf zirka alle 6-14 Tage ausgetauscht werden müssen. Selten werden Hörsysteme mit Akkus angeboten. Sie hatten zumindest in der Vergangenheit den Nachteil einer kurzen Betriebsdauer (ca. 4-5 Stunden). Neuere Geräte werden über Nacht aufgeladen und können mindestens 8-12 Stunden pro Tag stabil arbeiten.

Um Hörsysteme an individuelle Bedürfnisse anpassen zu können, haben diese unterschiedliche Ausstattungsmerkmale. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Hörprogrammmanagement: Hochwertige Hörgeräte bieten zum Teil mehrere Programme für unterschiedliche Hörsituationen an. Diese können automatisch oder manuell eingestellt werden. Zu diesen Programmen zählen zum Beispiel: Musikprogramme oder Programme zu besserem Sprachverständnis bei Störgeräuschen. Eine Leistungspflicht der GKV hierfür sowie für weitere technische Möglichkeiten, die nur dem Komfort dienen, besteht allerdings nicht.
  • Unterschiedliche Kanalzahl: Um Hörsysteme genauer auf die Bedürfnisse des Kunden anpassen zu können, bieten viele Hörgerätehersteller die Möglichkeit der Verstärkungsveränderung in unterschiedlichen Frequenzbereichen an.
  • Richtmikrofonmanagement: Mikrofone sollen das Sprachverstehen in Situationen mit Störgeräuschen verbessern. Dabei wird die Sprache des Gesprächspartners hervorgehoben und störender Schall reduziert.
  • Rückkopplungsmanagement: Bei Hörgeräten entsteht eine Rückkopplung, wenn der vom Hörgerätelautsprecher abgegebene Schall erneut vom Hörgerätemikrofon erfasst und verstärkt wird. Als Folge ist ein Pfeifen zu hören. Durch das Rückkopplungsmanagement wird dieser Effekt beseitigt.
  • Fernbedienung: Da Hörgeräte immer kleiner werden – so wünschen es die Kunden – ist immer weniger Platz für Bedienelemente, z.B. einem Lautstärkeregler, vorhanden. Aus diesem Grund werden von den Herstellern Fernbedienungen für Hörgeräte mit individuellen Einstellmöglichkeiten angeboten.

Aktuelle Entwicklungen

Viele Menschen haben Schwierigkeiten sich mit ihrer Schwerhörigkeit und dem damit verbundenen Tragen von Hörsystemen zu identifizieren. Sie empfinden ein Hörgerät als Makel und sehen es nicht als notwendiges Hilfsmittel zum besseren Sprachverstehen. Aus diesem Grund arbeiten die Hersteller verstärkt daran, Hörgeräte so unauffällig wie möglich zu gestalten.

Auch an der Entwicklung der Signalverarbeitung von Hörgeräten wird weiterhin gearbeitet. Neben dem Ziel Störgeräusche zu reduzieren wird ebenfalls an der Verbesserung des räumlichen Hörens geforscht. Letzteres kann z.B. durch die „Echtzeit-Kommunikation“ zwischen dem rechten und linken Hörgerät ermöglicht werden. Diesen Vorgang der Abstimmung von zwei Hörgeräten nennt man auch bilaterale Interaktion.

Auch die drahtlose Verbindung zwischen Hörgerät und anderen Kommunikationsmedien wie z.B. Telefon oder Fernseher ist inzwischen möglich. Hörgeräteträger benötigen hierfür ein Zusatzgerät, den sogenannten Audio-Transmitter oder Audio-Streamer. Über Technologien wie Bluetooth wird die Verbindung zu externen Geräten hergestellt und Signale per Funk vom Transmitter ans Hörgerät geleitet. Auf diese Weise kann das Nutzsignal direkt an die Hörgeräte gelangen. Unabhängig von der Stärke des Störschalls wird die Klang- und Sprachqualität positiv beeinflusst. Auch ältere HdO-Geräte verfügen über die Möglichkeit der Kommunikation mit externen Geräten. So erfüllen Schnittstellentechnologien wie Telefonspule und Audioeingang nach wie vor ihren Dienst. Telefonspulen in Hörgeräten empfangen ein induktives Feld, welches von einer Ringschleife ausgesendet wird. In vielen öffentlichen Einrichtungen sind diese Ringschleifen installiert und wandeln dieses Induktive Signal im Hörgerät in ein Schallsignal um. Dieses kann dann über den Lautsprecher an den Gehörgang weitergeleitet werden. Der Kunde hört das Signal.