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Welche Höreinschränkungen gibt es?

Nicht jede Höreinschränkung muss auf einen dauerhaften Verlust des Hörvermögens hindeuten. Ein Ohrenschmalzpfropf oder eine Mittelohrentzündung können genauso wie ein Tinnitus vorübergehende Hörverluste hervorufen. Daneben gibt es chronische Beeinträchtigungen des Hörvermögens.

Schallleitungsschwerhörigkeit

Schallleitungsschwerhörigkeit ist ein Oberbegriff für Hörschädigungen, deren Ursache im Außenohr oder im Mittelohr liegt. Diese Form von Höreinschränkung ist im Vergleich zur unten beschriebenen Schallempfindungsschwerhörigkeit eher selten – man geht davon aus, dass circa 20 % aller Höreinschränkungen ihre Ursache in der Schallleitung haben.

Die Schallleitung des Außenohrs kann in unterschiedlicher Art und Weise geschädigt sein. In vielen Fällen kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss des Gehörgangs. Dadurch wird die Weiterleitung von Schall an Mittel- und Innenohr unterbrochen. Mögliche Ursachen hierfür sind:

  • Ohrenschmalzpfropf
  • Fremdkörper im Ohr
  • Gehörgangsentzündung
  • Tumorbildung und knöcherne Neubildungen

Auch das Mittelohr kann in unterschiedlicher Art und Weise geschädigt sein. Mögliche Formen von Schallleitungsstörung, die ihre Ursache im Mittelohr hat, sind:

  • Otosklerose
  • Trommelfellverletzung
  • Mittelohrentzündung
  • Tumorbildung

Ohrenschmalzpfropf

Die im äußeren Gehörgang liegenden Ohrenschmalzdrüsen sondern Ohrenschmalz ab. Der Ohrenschmalz kann aufgrund unterschiedlicher Ursachen den äußeren Gehörgang verschließen. In diesem Fall spricht man von einem Ohrenschmalzpfropf. Ursachen können sein:

  • Überproduktion von Ohrenschmalz
  • falsche Verwendung von Ohrenstäbchen
  • Otoplastiken verhindern natürlichen Abfluss von Ohrenschmalz

Mögliche Ursache für plötzliche Hörverluste

Wenn ein Ohrenschmalzpfropf den Gehörgang verschließt, wird das Hörvermögen mitunter plötzlich eingeschränkt. Geraten Sie bei plötzlichen Hörverlusten deswegen nicht in Panik. Suchen Sie Ihren Hausarzt oder einen HNO-Arzt auf, Ohrenschmalzpfropfe oder andere Fremdkörper können leicht und schmerzlos entfernt werden. Mit Ohrenstäbchen oder anderen "Werkzeugen" selbst tätig zu werden, ist dagegen nicht zu empfehlen – eine noch festere Verstopfung des Gehörgangs und womöglich eine ernsthafte Verletzung des Gehörs drohen.

Wird ein plötzlicher Hörverlust von anderen Symptomen, wie Schwindelgefühlen, einem Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr oder Ohrgeräuschen, begleitet, suchen Sie unbedingt sofort einen Arzt auf.

Otosklerose

Otosklerose nennt man eine krankhafte Verknöcherung im Übergang zwischen Mittel- und Innenohr. Von der Verknöcherung betroffen ist die Fußplatte des Steigbügels, die im ovalen Fenster des Innenohrs liegt und Schall an das Innenohr weiterleitet. Die Verknöcherung schränkt die Schwingungsfähigkeit des Steigbügels ein, Folge der Otosklerose ist deswegen eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Otosklerose kann nur durch einen operativen Eingriff behoben werden. Frauen sind häufiger von Otosklerose betroffen als Männer.

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Schallempfindungsschwerhörigkeit ist ein Oberbegriff für Hörschädigungen, deren Ursache im Innenohr oder am Hörnerv liegt. Der Verlust von Hörfähigkeit geht in etwa 80 Prozent der Fälle auf eine Störung im Schallempfinden zurück.

Das Innenohr kann in unterschiedlicher Art und Weise geschädigt sein. Zumeist ist eine dauerhafte Schädigung der Haarzellen die Ursache für eine Minderung des Schallempfindens. Geschädigte Haarzellen führen zu einer Verringerung des Hörbereichs. Zudem reagiert das eingeschränkte Gehör sensibler auf die Entwicklung von Lautstärke. Der Anstieg der Lautheit von Schall bei zunehmendem Schalldruckpegel wird subjektiv steiler empfunden, dies wird als Recruitment (englisch: Lautheitsausgleich) bezeichnet.

Wenn die Verarbeitung akustischer Reize im Innenohr oder im Hörzentrum gestört ist, kann es auch zu einer krankhaften Überempfindlichkeit gegenüber dem Schall kommen, der sogenannten Hyperakusis.

Typische Erkrankungen im Zusammenhang mit Innenohrschädigungen sind:

Altersbegleitende Schwerhörigkeit

Ältere Menschen sind öfter von einer Hörschädigung betroffen als Jüngere. Eine Erklärung hierfür ist, dass das Gehör, ebenso wie andere Teile des menschlichen Körpers, Abnutzung und Verschleiß unterworfen ist. Typische Folge einer altersbedingten Schwerhörigkeit ist, dass die Schallempfindlichkeit für hohe Frequenzen beidohrig vermindert ist. Das liegt daran, dass die  Sinneszellen, die für die Wahrnehmung hoher Frequenzen zuständig sind, in der Gehörgangsschnecke ganz vorn liegen. Alle Schallimpulse, die im Laufe eines Lebens vom Gehör verarbeitet werden, passieren diese Sinneszellen, sie nutzen deswegen am schnellsten ab.

Da im Alter die kognitive Leistungsfähigkeit oft nachlässt, wird der Ausgleich von Verständnisproblemen, die durch Hörschädigung entstehen, zusätzlich erschwert.

Neben der langjährigen Umweltbelastung des Gehörs durch Lärm können auch noch andere Faktoren wie genetische Veranlagung, Bluthochdruck, die individuellen Ernährungsgewohnheiten sowie Erkrankungen wie Diabetes mellitus das Hörvermögen negativ beeinflussen. Pauschal von "Altersschwerhörigkeit" zu sprechen, ist aus Sicht der Wissenschaft deswegen genau genommen falsch.

Lärmschwerhörigkeit

Wird als Ursache einer Hörschädigung eine dauerhafte Überbelastung des Gehörs mit Lärm festgestellt, spricht man von Lärmschwerhörigkeit. Bei der Lärmschwerhörigkeit handelt es sich aus medizinischer Sicht um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit.

Das Risiko von Lärmschwerhörigkeit ist ab dauerhaft auftretenden Schalldruckpegeln über 85 dB gegeben. Aber auch kurzzeitig auftretende, sehr hohe Schalldruckpegel können das Gehör dauerhaft schädigen. Wichtige Faktoren beim Entstehen sind:

  • Dauer der täglichen Belastung mit Lärm
  • Anzahl und Länge der Pausen von Lärmbelastung
  • Höhe der Schalldruckpegel

Häufigste Berufskrankheit: Lärmschwerhörigkeit

Lärmschwerhörigkeit ist trotz zurückgehender Zahlen immer noch die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit in Deutschland. Lärmschwerhörigkeit kommt insbesondere in der Metall- und Baubranche sehr häufig vor. Dies erklärt auch, warum die Betroffenen meistens Männer sind.

Wenn Verdacht auf eine berufsbedingte Lärmschwerhörigkeit besteht, sollte der Betriebsarzt aufgesucht werden. Alternativ kann man sich auch an einen HNO-Arzt wenden. Zuständig für die Versorgung von Personen mit einer anerkannten Berufskrankheit Lärmschwerhörigkeit ist die Unfallversicherung.

Knall- und Explosionstraumata

Wenn kurzzeitig hohe Schalldruckpegel auftreten, ist das Gehör extrem gefärdet. Knall- oder Explosionstraumata können die Folge sein. Von "Knalltrauma" spricht man, wenn das Innenohr durch die Schalleinwirkung geschädigt wurde. Aufgrund seines spezifischen Schädigungsbildes ist das Knalltrauma im Rahmen eines Hörtestes gut zu erkennen. Von einem "Explosionstrauma" spricht man, wenn das Mittelohr oder das Trommelfell geschädigt wurde. Ein Explosionstrauma kann sich etwa in Form eines Bruchs der feinen Gehörknöchelchen des Mittelohres oder in Form eines Risses im Trommelfell äußern.

Andere Formen von Hörbeeinträchtigung

Es gibt noch eine Reihe weiterer Formen von Hörbeeinträchtigung. Verbreitet ist etwa der Tinnitus – rund 3 Millionen Menschen in Deutschland sind hiervon chronisch betroffen. Gerade bei Berufstätigen tritt Tinnitus immer häufiger auf.

Tinnitus

Wenn eine Person eine dauerhafte Wahrnehmung von Geräuschen hat, die keine äußere Quelle haben, bezeichnet man dies als Tinnitus. Die dauerhafte Wahrnehmung von subjektiven Ohrgeräuschen in Form von Pfeifen, Rauschen, Summen, Zischen, Knacken oder Klopfen wird von Betroffenen als sehr belastend empfunden.

Die Ursachen für Tinnitus sind vielfältig. Aus medizinischer Sicht stellt Tinnitus keine Krankheit dar, sondern ist als Anzeichen für ein dahinterliegendes körperliches oder psychisches Leiden zu verstehen. Als mögliche Ursachen werden oft dauerhafter Lärm und Stress angeführt.

Eine große Anzahl von Menschen ist von Tinnitus betroffen. Schätzungen gehen davon aus, das zu jedem beliebigen Zeitpunkt 10 - 20 % der Bevölkerung betroffen sind. Bei den meisten Menschen verschwindet der Tinnitus jedoch nach kurzer Zeit wieder. Wenn die Ohrgeräusche länger als 3 Monate wahrgenommen werden, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Im Laufe ihres Lebens sind knapp die Hälfte aller Bundesbürger zeitweise von Tinnitus betroffen.

Hörsturz

Als Hörsturz bezeichnet man einen plötzlich auftretenden, hochgradigen Hörverlust. Hörstürze treten meist nur auf einem Ohr auf. Es können aber auch beide Ohren betroffen sein. Typisch für die Hörschädigung ist ein Druckempfinden auf dem betroffenen Ohr. Tinnitus und Schwindel treten oft zeitgleich auf.

Beim Hörsturz wird die Funktionsfähigkeit des Innenohrs beeinträchtigt. Die genauen Ursachen dieser Beeinträchtigung sind bislang unbekannt. Die Auslöser sind unterschiedlich und vielfältig, es kommen z. B. Übergewicht und Diabetes, aber auch übermäßiger Alkoholkonsum oder Stress in Frage.

Morbus Menière

Als Morbus Menière bezeichnet man eine plötzlich auftretende, einseitige Hörschädigung im tiefen Frequenzbereich. Unangenehme Symptome der Hörschädigung sind Drehschwindel und Übelkeit, oft wird Morbus Menière von Ohrgeräuschen begleitet. Die Morbus-Menière-Attacken können einige Stunden oder auch Tage andauern. Der Zeitpunkt erneuter Attacken kann weder von Ärzten noch von Betroffenen vorhergesehen werden. Die genauen medizinischen Ursachen von Morbus Menière sind bislang noch unbekannt.