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Elbschule

Die Elbschule setzt Maßstäbe für akustische Barrierefreiheit

Als Kompetenzzentrum „Hören und Kommunikation“ bietet die Elbschule in Hamburg Kindern und Jugendlichen mit Hörschädigungen von der Frühförderung im Babyalter bis zum Schulabschluss ein breites Bildungsangebot. Und sie zeigt uns, wie „akustische Barrierefreiheit“ geht: Nicht ohne Stolz führt Schulleiter Johannes Eitner durch die im August 2013 bezogenen Räumlichkeiten und stellt uns während des Rundgangs zahlreiche gute Lösungen barrierefreien Bauens vor, die im Gebäude umgesetzt wurden.

Beispielhafte Maßnahmen auch für Firmen

„Davon können auch Unternehmen lernen, die einen Neubau oder eine Modernisierung planen“, meint er. Er berichtet, dass von Anfang an ein Pinneberger Ingenieurbüro für Schallschutz und Raumakustik in die Bauplanung einbezogen wurde. Die Beratung zur akustischen Barrierefreiheit, die Bereitstellung von akustischen Daten und eine fachlich begründete, objektive Expertise unterstützten wesentlich die Umsetzung der Maßnahmen.

Folgende Ein- und Umbauten sind auch für Unternehmen interessant:

  • Schallabsorbierende Materialien an Decke und Wand: In den Lehrräumen sollte der Nachhall so weit reduziert werden, dass Sprache bestmöglich verstanden wird. Schallschluckende Materialien finden sich an der Decke und an mindestens einer Wand. Auch die Decken der Flure wurden mit einbezogen. Alle Räume wurden mit Vorhängen ausgestattet, um die Schallreflexionen der schallharten Glasfenster abzumildern.
  • Schalldämpfender Bodenbelag: Soweit möglich, wurden die Fußböden mit einem schalldämpfenden textilen Belag ausgelegt. Dieser reduziert den Trittschall oder Geräusche, die durch das Rücken von Stühlen entstehen. Zusätzlich hat der Bodenbelag eine leichte schallschluckende Wirkung.
  • Gute Beleuchtung: Im gesamten Gebäude wurde auf eine helle, jedoch blendungsarme Beleuchtung geachtet, um das für die Kommunikation von Menschen mit Schwerhörigkeit so wichtige Absehen vom Mundbild zu ermöglichen. Auch Gehörlose profitieren beim Gebärden von guten Lichtverhältnissen.
  • Barrierefreies Alarmierungs- und Informationskonzept: Menschen mit Hörbehinderungen können Alarmsignale akustisch nicht gesichert wahrnehmen. In der Elbschule wird daher zusätzlich optisch alarmiert: Das rote Licht spezieller Alarmierungsleuchten signalisiert den Anwesenden: „Alarm – Gebäude sofort verlassen“. Auch der Personenaufzug ist mit einem hörbehindertengerechten Notrufsystem ausgestattet. Zusätzlich zu den Lautsprecherdurchsagen wird grundsätzlich über große Monitore in Fluren und Aula informiert: Hier veröffentlicht die Verwaltung Stunden- und Belegungspläne oder Kurznachrichten zu aktuellen Themen und Entwicklungen.
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Klassenzimmer der Elbschule mit Wandabsorber, Teppichboden und Vorhang

Lehrraum mit Akustikdecke, schallabsorbierendem Wandpaneel, Teppichboden und Vorhang

Die Cafeteria: Unterhaltung beim Essen möglich

Wo mit Nahrungsmitteln umgegangen wird, muss der Fußboden zu wischen sein. Da die Küche offen ist, wurde eine Lüftungsanlage eingebaut. Die Nachteile hierdurch: Es entstehen Nebengeräusche und Schall-Emissionen, die beim Hören und Kommunizieren stören. Daher wurden in der Cafeteria neben der Akustikdecke weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik ergriffen: Die Raumteiler bestehen aus schallabsorbierendem Material und unter Tischen und Stühlen findet sich Platz für schallschluckende Einlagen. Selbst die riesigen Bilder sind nicht nur ein Hingucker, sondern mit maritimen Motiven bedruckte schallabsorbierende Wandpaneele.

Kantine mit Raumteilern aus schallabsorbierendem Material

Die Cafeteria mit schallabsorbierenden Raumteilern

Wand der Kantine mit schallabsorbierendem Bild-Wandpaneel mit Segelbooten

Schallabsorbierendes Wandpaneel mit Elb-Motiv

Der Eingangsbereich: Design-Orientierung trifft Raumakustik

Im Eingangsbereich treffen sich regelmäßig viele Menschen. In dem hohen, weiten Raum würden ohne schallabsorbierende Maßnahmen enorme Nachhallzeiten das Sprachverstehen unmöglich machen. Die Schallabsorber an Decke und Wänden wurden durch freihängende Deckensegel ergänzt. Zusammen mit den kugelförmigen Leuchten entstand so ein Raum, der nicht nur akustisch, sondern auch optisch beeindruckt.

Die Aula der Elbschule mit schallschluckenden Wandpaneele und Deckensegeln

Die Aula mit schallabsorbierenden Wand- und Deckenelementen (Quelle: Taubert und Ruhe)

Der Veranstaltungsraum: Hier wird barrierefrei gefeiert

„Natürlich wurde hier eine induktive Höranlage eingebaut“, berichtet Johannes Eitner. So wird alles, was über die Mikrofone vorgetragen wird, direkt auf Hörgeräte oder Cochlea Implantate (CI) übertragen. Des Weiteren ist der Raum mit mehreren Lautsprechern ausgestattet, die für eine gleichmäßige Beschallung an allen Plätzen des Raumes sorgen.

Beispielhafte Maßnahmen speziell für Schulen

In Zukunft werden auch die Anforderungen an gute Schulakustik steigen. Nicht nur, um Personal und Kinder vor lärmbedingten Belastungen zu schützen, sondern auch, weil in inklusiven Schulen zunehmend auch höreingeschränkte Schülerinnen und Schüler lernen wollen. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird zudem das Lehrpersonal tendenziell älter und ist damit eher von Schwerhörigkeit betroffen.

Unter den 90 Pädagogen der Elbschule sind auch mehrere Kollegen mit Schwerhörigkeit bzw. Gehörlosigkeit. Die spezielle Ausstattung von schultypischen Themenräumen kann daher auch als gutes Beispiel dienen.

  • Sporthalle: Auch hier finden sich Schallabsorber an Decke und Wänden.
  • Computerraum: Versenkte Bildschirme ermöglichen den Blickkontakt zum sprechenden Lehrer oder Mitschüler.
  • Arbeitsraum Chemie: Auch hier finden sich höhenverstellbare Abzugs- und Energiemodule, die nach dem Experimentieren nach oben weggeschoben werden können. So wird das Blickfeld nicht gestört.
  • Schulküche: Eine Kamera, die in die Kochtöpfe schaut und das Bild auf einen Bildschirm überträgt, macht es auch für Kleinwüchsige oder Rollstuhlnutzer möglich, dem Kochunterricht zu folgen.
  • Schalltoter Raum zur Testung: Für die audiologischen Tests sind zwei Räume komplett mit Schallabsorbern ausgestattet. Durch die Tür und die doppelte Zweifachverglasung dringt kein Störgeräusch mehr. Sogar der Heizkörper fehlt – um auch Schall-Emissionen der Fließgeräusche zu reduzieren, wurde auf eine Fußbodenheizung ausgewichen.

Unsere abschließende Frage, welchen Tipp Johannes Eitner Schulen oder Betrieben mitgeben möchte, die umbauen wollen, beantwortet er ganz spontan: „Beziehen Sie die Menschen in Planung und Umbauphase ein, die die Räume nutzen werden.“ Johannes Eitner führte Begehungen auch mit höreingeschränkten Kollegen oder Schülern durch. So treten Schwachstellen eher ans Tageslicht und können noch angepasst werden.

Computerraum der Elbschule mit versenkten Bildschirmen und Akustikpaneele an der Wand

Der Computerraum mit versenkten Bildschirmen und Akustik-Elementen an der Wand

Ansprechpartner:
Johannes Eitner
Schulleiter
Telefon: 040 / 428 485 - 0